Interview mit der Initiative "Fahne pur" – 28.11.2018

Wir Kleeblattfans sehnen uns seit Langem nach dem einzig wahren Namen unseres großartigen Vereins, den es zurück zu holen gilt. Seit Jahren haben Fans an anderen Standorten für ähnliches gekämpft oder bestreiten aktuell jenen Kampf zum Erhalt der Identität und deren Wurzeln ihres jeweiligen Vereins. Ob Vereinsfarben, Stadionnamen oder wie in unserem Fall der Name Spielvereinigung Fürth, an etlichen Standorten haben Fans den Kampf gewonnen und haben sich das zurück geholt was zu ihrem Verein gehört.  Wir blicken heute einmal nach Berlin zur alten Dame Hertha, wo Fans mit der Initiative „Fahne Pur- zurück zu den Wurzeln“ bereits vor fünf Jahren eine Änderung des Vereinslogos erwirken und somit einen erheblichen Teil der Geschichte von Hertha BSC bewahren konnten. Wir haben mit den Initiatoren der Kampagne gesprochen. 

Servus nach Berlin. Am 22.9.2010 meldete sich die Initiative „Fahne pur - Zurück zu den Wurzeln“ beim Spiel gegen unsere Spielvereinigung zum ersten Mal zu Wort. Erzählt doch bitte ein wenig über den Hintergrund der Initiative und deren Startschuss.
Grüßt euch! Es war ganz so, dass man dieses runde Logo zwar immer irgendwie hingenommen hatte, aber eigentlich nie wirklich zufrieden damit war - schon gar nicht mit dem Namen Hertha BSC Berlin. Für langjährige Herthaner gibt es nur die Herthafahne, was der Verein besonders im Jahr 2006, beim Protest gegen das „Adler-Trikot“, zu spüren bekam. Damals dachten wir auch, dass alles von früher Tradition und Retro ist. Das würde aber im Umkehrschluss bedeuten, dass das pinke Ausweichtrikot in 30 Jahren auf einmal ein Traditionstrikot wäre. Das ist natürlich totaler Quatsch. Seit 2006 haben wir uns viel mehr bewusstgemacht, womit wir uns eigentlich identifizieren und das Wichtigste ist, dass man diese aufgebauten Werte auch der nächsten Generation weitergibt. Im Sommer 2010 hatten wir uns überlegt, ob es nicht ein guter Zeitpunkt wäre, es einfach zu probieren. Man weiß ja, dass die Vereine nach Abstiegen fanfreundlicher sind, als wenn sie im Europapokal spielen…

Wer die Hertha seit der 2000er Wende etwas verfolgt hat dem ist wohl insbesondere der Name „Hertha BSC Berlin“ auf dem damaligen Vereinslogo im Kopf geblieben. Unabhängig davon, dass die Dopplung in eurem alten Vereinslogo Nonsens ist, welche Vergangenheit und Geschichte hat die Hertha und deren Fahne (pur)? Weshalb habt ihr ausschließlich die Fahne ohne Zusatz gefordert?
Einer der wichtigsten Punkte war für uns der Wiedererkennungswert. Wir haben ein sehr traditionelles Logo, was auch in Berlin früher sehr typisch war. Jeder sieht eine bzw. seine Fahne als etwas sehr Wertvolles an, aber wie viele Vereine haben diese auch als Vereinslogo? Wir wollten, dass diese Fahne hervorsticht und nicht durch unzählige Kreise und Schriften verkleinert wird. Dazu kommt, dass man nur wenige Vereinslogos an ihrer Form so leicht erkennen kann.

Derartige Initiativen stoßen erfahrungsgemäß nicht immer auf Gegenliebe. Wie hat der Verein bzw. die restliche Fanszene auf euren Vorstoß reagiert?
Man muss ehrlich sagen, dass es einen richtigen Gegenwind nie wirklich gab. Beim ersten Treffen mit dem Verein dachten wir, dass es schwer werden würde, die Bosse zu überzeugen. Aber so richtig abgeneigt waren die Herren gar nicht. Unter den Fans war es so, dass es die breite Masse vertreten hat, aber es gibt natürlich auch einen Teil dem es egal ist und der einfach nur Fußball gucken will. Man sieht auch heute noch Leute mit dem runden Logo rumlaufen. Das sehen wir aber nicht so verbissen, da dort ebenso die Fahne zu sehen ist und die Leute sicherlich auch ganz eigene Erinnerungen damit verbinden, wenn sie zum Beispiel ihr Marcelinho-Trikot tragen.

Bevor ihr mit dem Thema an die Öffentlichkeit gegangen seid: Habt ihr bereits im Hintergrund andere Fanclubs, Bündnisse oder Einzelfans im Umfeld der Hertha versucht für dieses Thema zu sensibilisieren, habt anderweitig Vorarbeit geleistet oder seid ihr direkt mit diesem Thema an die Öffentlichkeit gegangen?
Nein, wir haben ganz entspannt angefangen, die eine oder andere Aktion gemacht und ein paar Texte geschrieben. Ohne großen Druck und riesen Show. Wir wollten es erstmal ins Bewusstsein rufen und dann war alles wie ein Selbstläufer. Vielleicht musste es nur mal angesprochen werden.

Wie können wir uns die Arbeit der Initiative vorstellen? Gab es parallel eine Zusammenarbeit mit der Presse, dem Verein? Welche Aktionen wurden neben dem bekannten „Fahne pur“- Banner im Stadion gestartet, um dieses Thema in die Köpfe zu bringen?
Mit der Presse nicht. Wir saßen mit dem Verein zusammen, machten auch gemeinsame Aktionen. Es gab z.B. einen gemeinsamen Fahnentag, wo der Verein 1.000 Fahnen für 5 Euro bereitstellte und wir dabei mithalfen sie komplett zu verkaufen. Das ergab ein schönes Stadionbild und zeigte, dass wir zusammen in die gleiche Richtung laufen. Ansonsten saßen wir auch mit der Fanartikel-Abteilung zusammen, wo es um eine Fahne pur-Testkollektion zum 120-Jährigen ging. Der Verein machte die zukünftige Entscheidung davon abhängig, wie die Resonanz darauf wird. Ansonsten gab es ein paar kleine optische Aktionen und Flyer. Das Übliche halt…

Knappe 3,5 Jahre hat eure Kampagne angedauert. Im Sommer 2012 trug diese bereits erste Früchte als die Trikots eurer Spieler ausschließlich von der Hertha-Fahne geziert wurden. Seit dem Sommer 2013 schließlich ist diese auch wieder offizielles Vereinslogo. Welche Hürden musstet ihr bis dato überwinden und welche Steine wurden euch, von welcher Seite auch immer, auf dieser Reise in den Weg gelegt?
Der einzige Stein war der zweite Abstieg. Zwischendurch wurde es eher ruhig um die Initiative, weil die sportliche Lage sehr brisant und viel wichtiger war. Ansonsten lief es eigentlich recht problemlos.

Zwar wurde die Fahne im Sommer 2013 offizielles Vereinslogo, dennoch sollte diese auch für die kommenden Generationen via Satzungsänderung geschützt werden. Zur Mitgliederversammlung am 12. Mai 2014 wurde ein solche Satzungsänderung gestellt, die das gesamte Präsidium sowie der Aufsichtsrat unterstützte. War dies der vermehrten Aufklärungsarbeit in den vergangenen Jahren geschuldet oder waren eure Vereinsangestellten von der Idee sofort angetan? Wie dürfen wir uns die Vorarbeit für so eine wegweisende Mitgliederversammlung vorstellen, damit diese auch eurem Ziel entsprechend verläuft?
Wir hatten auch die Befürchtung, dass der Verein es zu aufwändig und unnötig findet. Vielleicht wollte die Geschäftsleitung nach den sportlich schlechten Jahren einfach ein Signal an die Fans senden. Schließlich standen auch wieder Wahlen an und in den Jahren hat sich der Verein nicht mit Ruhm bekleckert. Es wird vermutlich taktisch benutzt worden sein, um ein Teil der Mitglieder zu besänftigen. Hauptargument von uns war, dass wir den momentan handelnden Personen da zwar vertrauen, aber nicht irgendwann wieder jemand wie Dieter Hoeneß kommen darf und aus dem Nichts ein neues Logo präsentiert.

Zu guter Letzt: Was ratet ihr Fans anderer Vereine, die ähnliches Anstreben und ihren Verein und dessen Wurzeln sowie der damit verbundenen Historie erhalten wollen?
Das ist schwer zu sagen, manchmal ist der richtige Moment total entscheidend. Wichtig ist bei den heutigen Vereinsstrukturen, dass die Bosse einen Mehrwert erkennen. Gute Zusammenarbeit (wenn möglich) ist wohl zielführender, als großer Druck mit wilden Demos, Presseartikel usw. Man sollte auch immer versuchen den Protest positiv zu gestalten, um möglichst viele Menschen davon zu überzeugen. Auf jeden Fall wünschen wir euch in Fürth viel Erfolg und genügend Ausdauer für eure Ziele.

Vielen Dank für das Interview.

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